Vierte Architekturwoche A4 Schweinfurt

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Architektur in Schweinfurt
Theater der Stadt Schweinfurt

Adresse: Roßbrunnstraße 2, 97421 Schweinfurt
Bauherr: Stadt Schweinfurt
Baujahr: 1961 – 1966
Architekt: Erich Schelling, Karlsruhe mit Trude Schelling-Karrer
(Innenarchitektur)
Generalsanierung 2000 – 2002
Architekt: Josef und Martin Matl, Schweinfurt

 

Das Theater der Stadt Schweinfurt befindet sich im Grüngürtel der ehemaligen Schanzen vor der mittelalterlichen Stadtbefestigung. In Sichtweite liegt das Stadtbad aus den 1930er Jahren, das 2009 als Kunsthalle der Stadt wiedereröffnet wird und zusammen mit dem Theater eine Folge von solitären Kulturbauten in der Grünzone zwischen Stadtkern und Stadterweiterungsgebieten des 19. Jahrhunderts bilden wird.

Der Karlsruher Architekt Erich Schelling war nach dem 2. Weltkrieg in Schweinfurt mit qualitätvollen Bauten für die FAG Kugellagerfabriken bekannt geworden und hatte 1959 für den Theaterstandort zunächst Pläne eines Museums für die Sammlung Georg Schäfer vorgelegt. Nachdem man diese nicht weiterverfolgte, wurde 1961 der Beschluss zur Errichtung eines Theaterbaus gefasst.

Das Theater ist als skulpturaler Baukörper in der Grünfläche konzipiert. Die Foyerflächen legen sich in einem polygonalen Grundriss auf mehreren Ebenen um das Zuschauerhaus. Durch eine großzügige Balkon- und Freitreppenanlage wird der Park wirkungsvoll in die Eingangs- und Pausenflächen einbezogen.

Das Zuschauerhaus für 750 Gäste und die Bühne mit Seitenbühne bilden den Kern des Gebäudes. Flächen für Verwaltung, Proben, Umkleiden und Lager sind entlang der Roßbrunn- und der Neutorstraße angelagert. Entlang einer Mittelsymmetrie durch das Zuschauerhaus sind dem unregelmäßigen Grundriss eine innere Logik und ein strukturelles Rückgrat gegeben.

Konstruktiv wurden die Foyerflächen als stützenlose Ebenen in Spannbetontechnik um das Zuschauerhaus gelegt. Die Dachtragwerke sind in Stahl und Beton konstruiert. Seine unverwechselbare Qualität erhält der Bau durch den sorgfältig detaillierten Innenausbau. Durch ausgewogene Farb- und Materialkombinationen entstand ein zeittypischer und gleichzeitig klassisch eleganter Innenraum. Es dominieren die Farben Braun, Rot, Anthrazit und Weiß, die von Glühlampen in warmes Licht getaucht werden. Im Zuschauerraum und im Foyer sind an den Decken Muranogläser zu räumlichen Glas-Licht-Skulpturen arrangiert. Im Pausenfoyer ist eine 130m große Wandreliefgestaltung von K. F. Dahmen integriert. Pyramidal aufgefaltete Wandflächen im Zuschauerraum in weißer, grauer, schwarzer und goldfarbener Oberfläche tragen zur hervorragenden Akustik bei.

Im Zuge der Generalsanierung wurden eine Asbestentsorgung, die Erneuerung des technischen Ausbaus, eine Fassadenerneuerung und allgemeine Renovierungsmaßnahmen durchgeführt sowie die behindertengerechte Erschließung der Publikumsbereiche durch einen freistehenden Aufzugturm im Foyer hergestellt. Trotz der Rückführung des Gebäudes auf den Rohbau in weiten Bereichen wurde das ursprüngliche Architekturkonzept beibehalten und wo nötig wiederhergestellt. Bestuhlung und Raumtextilien wurden nach Originalmustern neu angefertigt.

Das Gebäude ist für die Stadt nicht nur eine als Gastspielhaus betriebene Theaterbühne, sondern es schafft wertvolle Flächen einer städtischen Bühne des gesellschaftlichen Lebens, die seit ihrer Eröffnung durchgehend hohe Akzeptanz und Wertschätzung genießt. In Entwurfs- und Ausführungsqualität ist das Theater der Stadt Schweinfurt in einem Zuge mit den renommierten Kulturbauten seiner Zeit zu nennen.