Vierte Architekturwoche A4 Schweinfurt

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Architektur in Schweinfurt
Museum für eine kleine Stadt
Entwurf Mies van der Rohe
für das erste Museum Georg Schäfer

Adresse: Fichtelsgarten
Bauherr: Georg Schäfer/Stadt Schweinfurt
Architekt: Mies van der Rohe, Chicago
Planung: 1960

 

Schweinfurt erhält am 23. September 2000 ein mit mehreren Architekturpreisen ausgezeichnetes Museumsgebäude des Architekten Volker Staab aus Berlin. Kollege Staab verstand es, die Museumsaufgabe als klassische Schatztruhe eines nach innen gewendeten Steinhauses vortrefflich zu gestalten.

Anders als dies der Mies‘sche Entwurf 1960/61 mit einem gläsernen Tempel im Fichtelsgarten am Obertor empfohlen hatte.

Ludwig Mies van der Rohe – Museumsbau in Berlin – Warum nicht im Schweinfurter Fichtelsgarten?

Ende der 50er Jahre träumte der Schweinfurter Fabrikant Dr. Georg Schäfer davon, für seine schon damals bereits bedeutende Gemäldesammlung ein Museum zu schaffen.

Ein Haus, das den Industriestandort aufwerten sollte. Es war sein Wunsch, dass die erworbenen Schätze, etwa 900 Gemälde und 400 Zeichnungen, über das Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten.

1959 schuf im Auftrag von Dr. Georg Schäfer, Prof. Erich Schelling (1905 – 1986) aus Karlsruhe, den ersten Entwurf eines Schäfer Museums für die Schad‘sche Schanze, in dem ehemaligen Saalbau Mayergelände, auf dem dann 1961 – 1966 das Theater der Stadt Schweinfurt von Professor Schelling errichtet wurde. Heidemarie Schäfer, die Tochter von Dr. Georg Schäfer heiratete den amerikanischen Architekten Dirk Lohan, einen Enkel des Architekten Mies van der Rohe. Lohan war führender Mitarbeiter im Team des Meisters, seines Großvaters in Chicago. Sehr konkret wurden 1960 die Museumsplanungen für Schweinfurt, durch die Begegnung des Fabrikanten Dr. Georg Schäfer mit dem Architekten aus Aachen.

In dem Gelände des Fichtelgartens am Obertor/Kornmarkt sollte das moderne Gebäude in Schweinfurt entstehen. Die Umsetzung des Entwurfes in Schweinfurt scheiterte an der Kostenfrage, genauer an der Entscheidung des Stadtrates. Man lehnte das Geschenk des Fabrikanten Dr. Georg Schäfers an seine Heimatstadt wegen der von der Stadtverwaltung zu übernehmenden Unterhaltungskosten schlichtweg ab.

Das für Schweinfurt geplante Museumsgebäude wurde letztendlich in Berlin einige Jahre später, in der „Neuen Nationalgalerie“ verwirklicht. In den in aller Welt veröffentlichen Biographien, Werkverzeichnissen und Lehrbüchern, über Mies van der Rohe, wird das Projekt Schäfer Museum Schweinfurt beschrieben.

Dank des Auftrages für das Museum Dr. Schäfer Schweinfurt 1960/61 erhielt Mies van der Rohe Gelegenheit, sein 1957/59 für Barcardi in Santiago de Cuba, in Stahlbetonkonstruktion entwickelten Großraum, als elegante Stahlkonstruktion für Schweinfurt und letztendlich für Berlin zu entwickeln.

Ab 1962 arbeitet Mies van der Rohe für das Projekt „Neue Nationalgalerie Westberlin“ Potsdamerstraße. 1965 – 1968 wird das Projekt unter Bauleitung seines Enkels Dirk Lohan – Mies van der Rohe ist durch eine Arthritiserkrankung stark behindert – errichtet.

Mit der Errichtung der Neuen Nationalgalerie in Berlin endet mit dem Tode Mies van der Rohes am 17. August 1969, seine peinlich genaue Arbeit der visuellen Ratio, in Deutschland.

Helmut Irblich